Skoliose

Wirbelsäulenerkrankung Skoliose: Definition – Ursachen – Behandlung

Skoliose ist eine Wirbelsäulenerkrankung, die mit einer seitlichen Krümmung der Wirbelsäule einhergeht. Auch die Wirbelkörper selbst sind in vielen Fällen verdreht. Einen Überblick über mögliche Ursachen von Skoliose sowie über moderne Therapieverfahren erhalten Sie hier.

Was ist Skoliose?

Eine gesunde Wirbelsäule besteht aus 33 Wirbelknochen, die über Knochenfortsätze miteinander und mit den Rippen verbunden sind. Zwischen den Wirbeln befinden sich die Bandscheiben. Von der Seite ähnelt die Wirbelsäule einem doppelten „S“, während sie von hinten gesehen eine annähernd gerade Linie bildet. Bei Skoliose krümmt sich die Wirbelsäule nicht nur nach vorne und hinten, sondern auch nach rechts (rechtskonvexe Skoliose) oder nach links (linkskonvexe Skoliose). Daher leitet sich auch der Name dieser Erkrankung ab, denn „skolios“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „krumm“. Ab einem Krümmungswinkel (Cobb-Winkel) von zehn Grad gilt die Skoliose als diagnostiziert. Zusätzlich zur Krümmung kann die gesamte Wirbelsäule rotationsartig verdreht sein (Rotation, Torsion). Auch eine Verdrehung einzelner Wirbelknochen ist bei Skoliose nicht selten.

Mögliche Symptome

Symptome treten bei Skoliose in der Regel nur dann auf, wenn eine starke Verkrümmung vorliegt. Typisch sind zudem Auffälligkeiten in der Haltung, beispielsweise:
Schmerzen sind nicht typisch für die Skoliose im Kindes- und Jugendalter, aber kommt häufiger vor bei Erwachsenen bei der sogenannten degenerativen Skoliose.
Eine stark fortgeschrittene Skoliose kann sich zudem negativ auf die Lungenkapazität auswirken. Betroffene leiden dann unter einem Druckgefühl auf der Brust, Atemnot und/oder Herzrasen.

Ursachen und Risikofaktoren

Rund drei bis fünf Prozent der Bevölkerung leiden unter einer idiopathischen Skoliose – das heisst unter einer Wirbelsäulenverkrümmung, für die sich kein konkreter Auslöser finden lässt. Diese Form der Skoliose macht ungefähr 90 Prozent aller Fälle aus. Bei den verbleibenden zehn Prozent handelt es sich um eine sekundäre Skoliose, für die folgende Ursachen infrage kommen:

Untersuchungen und Diagnose

An der Diagnose und Behandlung von Skoliose können je nach Art und Ausprägung der Wirbelsäulenverkrümmung folgende Fachärzte beteiligt sein:
Am Anfang der Untersuchung steht immer eine ausführliche Anamnese. Der Arzt macht sich mit der Krankengeschichte des Patienten vertraut und fragt ihn beispielsweise, seit wann Beschwerden bestehen, ob es irgendwelche Vorerkrankungen gibt und ob bereits Fälle von Skoliose in der Familie aufgetreten sind. Bei Kindern und Jugendlichen ist es zudem von Bedeutung, ob und wann ein Junge in den Stimmbruch kam beziehungsweise wann ein Mädchen die erste Monatsblutung hatte.
Es folgen verschiedene Tests, zum Beispiel der Adams-Test, bei dem sich der Patient mit durchgestreckten Knien nach vorne beugt. Der Arzt kann dann im Rückenbereich nach typischen Hinweisen für Skoliose suchen, beispielsweise nach einem Rippenbuckel am Rücken oder nach Muskelwülsten im Nacken- oder Lendenwirbelbereich. Auch Beweglichkeitstests, Krafttests und (bei Jugendlichen) die Bestimmung der Skelettreife nehmen bei der Untersuchung und Diagnose einen hohen Stellenwert ein. Zusätzlich zu Röntgenaufnahmen kann in seltenen Fällen zudem ein MRT oder eine Überprüfung der Herz-Lungen-Funktion erforderlich sein.

Wie wird Skoliose behandelt?

Eine leichte Skoliose wird konservativ behandelt – also mit Physiotherapie und eventuell wenn das Wachstum noch nicht abgeschlossen, könnten auch mit einem speziellen Korsett (Orthese) gute Erfolge erzielt werden, obwohl diese Behandlung nicht Evidenz-basiert ist. Die Orthese wird massgefertigt und muss fast rund um die Uhr getragen werden, um die Wirbelsäule während des Wachstums in ihre natürliche Form zurückzuführen. Da das Knochenwachstum bei Erwachsenen bereits abgeschlossen ist, kommt diese Form der Therapie für sie normalerweise nicht infrage. In bestimmten Fällen wird die Orthese aber dennoch zur Stabilisierung der Wirbelsäule sowie zur Verlangsamung des Krankheitsverlaufs eingesetzt. Grundsätzlich gilt: Wird die Therapie möglichst frühzeitig begonnen, ist es möglich, dass sich eine Wirbelsäulenverkrümmung zurückbildet oder zumindest nicht weiter verschlechtert.

OP: Wie und wann wird eine Skoliose operiert?

Eine schwere Skoliose kann nur operativ behandelt werden. Ärzte ziehen eine OP vor allem in folgenden Fällen in Betracht:
Die OP soll die Deformität korrigieren und die Progression anhalten. Der Chirurg richtet die Verkrümmung und stabilisiert den betroffenen Abschnitt anschliessend mithilfe von Schrauben und Stäben. Bei Kindern unter 10 Jahren verwenden Wirbelsäulenchirurgen meist so genante Wachstumsstäbe, die so positioniert werden, dass sie das natürliche Wachstum nicht stören und in Abständen von vier bis sechs Monaten verlängert werden. Später werden diese Stäbe gegen fixierte Stäbe ausgewechselt und eine Versteifung (Spondylodese) durchgeführt.

Verlauf und Prognose

Je früher eine Skoliose auftritt, umso wahrscheinlicher ist es, dass sie immer weiter voranschreitet. Einzige Ausnahme ist die Skoliose im Säuglingsalter, die sich in rund 96 Prozent der Fälle vollständig zurückbildet. Bei Auffälligkeiten sollten Patienten möglichst zeitnah einen Arzt aufsuchen, denn eine nicht behandelte Skoliose kann zu einer schweren Deformität der Wirbelsäule führen.